Evelyne Aschwanden ist mit “Ein Diadem aus Blut und Mondschein” seit einigen Monaten auf unserer Bestenliste vertreten und belegt aktuell den fünften Platz. Und natürlich stellt auch sie sich unseren Fragen. Das Interview führte Aşkın.

Hallo Evelyne, beschreib dich doch bitte als Einstieg in drei Worten.
Kreativmensch. Fantasyautorin. Nerd.
Was sind deine aktuellen Projekte und was sind deine größten Leidenschaften?
Momentan beende ich gerade die Überarbeitung des letzten Bandes der “Arcyrion-Akten”, meine fünfbändige queere Fantasy-Krimi-Reihe. Tatsächlich hat das in den letzten Monaten einen Großteil meiner Zeit beansprucht, sodass ich tatsächlich zum ersten Mal seit Langem keine weiteren Projekte in der Pipeline habe. Aber ich freue mich auch darauf, mich etwas kreativ treiben zu lassen, sobald die “Arcyrion-Akten” abgeschlossen sind.
Zum Thema Leidenschaften würde das hier vermutlich den Rahmen sprengen, wenn ich alles aufzählen würde! Ich bin im Allgemeinen einfach ein Mensch, der voll und ganz in Geschichten aufgeht, egal in welcher Form – Bücher, Comics, Serien, Videospiele, ich kann für alles eine Leidenschaft entwickeln.

Was ist das Besondere an deinem Buch “Ein Diadem aus Blut und Mondschein”?
Bei kaum einem Buch habe ich so viele persönliche Nachrichten von Lesenden erhalten wie bei diesem. Ich glaube, viele Menschen haben sich mit diesem Buch und insbesondere in der Protagonistin, Marisol, gesehen gefühlt. Denn Marisol ist weder normschön noch dünn. Sie entspricht nicht dem gängigen Schönheitsbild ihrer Welt, sie erlebt Ausgrenzung und Mobbing und sie hat zu Beginn der Geschichte ein tiefes Selbstwertgefühl, das ihr durch die strikten Ideale ihrer Gesellschaft eingeprägt wurde. Da haben sich sehr viele Lesende drin wiedergefunden.
Womit prokrastinierst du am liebsten?
Ich prokrastiniere tatsächlich selten. Natürlich kann es manchmal vorkommen, dass ich mehr oder weniger Motivation zum Schreiben habe. Aber an solchen Tagen schließe ich dann mein Handy z.B. einfach in einen anderen Raum.
Wenn ich merke, dass ich wirklich gerade alles andere mache, statt an der Geschichte weiterzuschreiben, dann ist das für mich meist ein Zeichen dafür, dass die Geschichte noch nicht in die richtige Richtung geht. In dem Fall geht’s zurück zum Szenenplan und es wird noch einmal alles neu aufgegleist.
Welches deiner Bücher sollten wir jetzt sofort aus welchem Grund lesen?
Natürlich alle! Aber gerade bin ich sehr stolz auf die “Arcyrion-Akten”. Eine fünfbändige Reihe ist ein Riesenprojekt – umso mehr freue ich mich, dass ich es jetzt geschafft habe!
Und welches Buch (nicht von dir) sollte jede*r von uns lesen?
“Beklaute Frauen” von Leonie Schöler und “exit RACISM” von Tupoka Ogette sind beides Bücher, die gerade anfangen, sich näher mit Feminismus, Rassismus und unterdrückenden Machtstrukturen zu befassen.

Was muss ein perfektes Buch überhaupt bieten?
So etwas wie ein perfektes Buch gibt es nicht. Ein Buch ist für mich ein gutes Buch, wenn es etwas Langfristiges in mir hinterlässt – Hoffnung, Trauer, der Mut zur Veränderung. Etwas, das in irgendeiner Art und Weise nachhallt.
Hattest du schon mal eine Schreib- und/oder Leseblockade? Was hat dagegen geholfen?
Ja, früher hatte ich das öfter. Inzwischen verstehe ich, dass eine Schreibblockade meist bloß ein Bauchgefühl ist, das darauf hinweist, dass irgendetwas mit der Geschichte noch nicht 100 % stimmt. Da höre ich auf jeden Fall drauf und nehme mir dann Zeit, um die Ursache herauszufinden.
Was sollte sich im Literaturbetrieb ändern?
Ich finde, wir haben in den letzten Jahrzehnten ein wenig aus dem Blick verloren, worum es bei Literatur eigentlich gehen sollte. Gerade, wenn ich zu den großen Verlagen blicke, sehe ich da fast nur noch ein Streben nach Profitmaximierung – das beweist ja beispielsweise auch die Obsession gewisser Verlage mit generativer KI. Neue Idee, einzigartige Konzepte oder Experimente werden immer mehr in Nischen verdrängt. Ich bin der Meinung, dass das Geschichtenerzählen wieder mehr im Vordergrund stehen sollte – nicht nur das Nachjagen von kurzen Trends, sondern das Schreiben von Büchern, die nachhaltig berühren, faszinieren und manchmal auch unbequem sein dürfen. In dem Zusammenhang würde ich mir auch eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für meine Kolleg*innen in Verlagen wünschen. Der herrschende Druck, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu veröffentlichen, befördert aktuell so viele Autor*innen direkt ins Burn-Out und zeigt meiner Meinung nach klar, dass der aktuelle Fokus auf Quantität und „Fließbandschreiben“ niemandem hilft (außer natürlich den Kontoständen der Geschäftsleitungen).
Wie siehst du die Zukunft in 100 Jahren?
Ich hoffe, dass wir denen, die nach uns kommen, eine Welt hinterlassen können, in der es sich zu leben lohnt. Eins weiß ich mit Sicherheit: Geschichten werden immer in irgendeiner Art und Weise eine Rolle spielen, ob nun als Bücher oder in einer futuristischen Version, die wir uns noch nicht vorstellen können.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!

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