Das sind die besten phantastischen Romane der letzten 12 Monate. Jeden ersten Freitag im Monat stellen unabhängige Literaturkritiker*innen und Phantast*innen die besten Romane des Genres vor.

Lesende bekommen in Jasper Ffordes neuem Roman, der irgendwo zwischen Realsatire und Fantasy anzusiedeln ist, den Spiegel vorgehalten. Anhand der vorgeblichen Bedrohung durch vermenschlichte Kaninchen spielt er verschiedene Varianten von Rassismus und Xenophobie durch. Obwohl verfremdet, zeigen sich doch viele Parallelen zu aktuellen (und früheren) Entwicklungen überall auf der Welt. Besonders der Protagonist Peter Knox, ein Durchschnittsbürger par excellence, und seine Zerrissenheit zwischen dem Bedürfnis nach einem gewöhnlichen Leben und dem Unwohlsein mit den Entwicklungen ob des Umgangs mit den Kaninchen, wird hervorragend dargestellt.
CN: Genozid, Gore, körperliche & psychische Gewalt, Mord, Rassismus
Platzierung im Vormonat (5)

Sunyi Dean präsentiert mit “The Book Eaters” einen gekonnten Genremix zwischen Fantasy, Horror und Science-Fiction: Eine besondere Lebensform fristet in England ein unentdecktes Dasein. Die Book Eaters ernähren sich ausschließlich von Büchen und sind in patriachalen Strukturen organisiert. Als Devons Sohn als Seelenfresser geboren wird, muss sie ausloten, wie weit sie als Mutter bereit ist zu gehen. Dieses Potpourri an Themen, verpackt in einen spannenden, düsteren Roman, verspricht ein außergewöhnliches Leseerlebnis.
Platzierung im Vormonat (7)

„Die Immerwolken“ spielt in einer Welt aus schwebenden Inseln. Die untere Grenze dieser Welt sind die undurchdringlichen Immerwolken. Keiner weiß, was sich unter ihnen verbirgt. In dieser Welt schlägt sich die 19jährige Yka durchs Leben. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater verschwunden und sie kümmert sich um ihren 13jährigen Bruder Tin, der im Rollstuhl sitzt. Als Tin in die Immerwolken fällt, schließt sich Yka dem Nomaden und seiner Crew an, um ihn zu retten. Spannendes Steampunk-Abenteuer mit Tiefgang.
CN: Alkohol, Blut, Emeto, Glücksspiel, körperliche Gewalt, Sturz aus größer Höhe, Tod, Trauer, unter Wasser sein
Platzierung im Vormonat (4)

Als junge Erwachsene kehrt Sabrina in die Kleinstadt zurück, die sie eigentlich glaubt hinter sich gelassen zu haben. Dort stellt sie sich den Schatten der Vergangenheit, die im nahegelegenen Vergnügungspark lauern. Was ihr und ihren beiden Kindheitsfreunden Juri und Lando dort widerfahren ist, wird in immer neuen Rückblenden erzählt. Die bedrückende Enge der Kleinstadt und das unaussprechliche Grauen, das vor ihren Toren lauert, verdichten sich erzählerisch bis zum Horror-Finale.
CN: Ableismus, Gewalt gegen Tiere & Kinder, Homofeindlichkeit, Krebs, Selbstverletzung, sexualisierte Gewalt, Suizidalität, Transfeindlichkeit
Platzierung im Vormonat (-)

Nachdem Link die Bibliothek von Gespinsterwald niedergebrannt hat, wird er dazu verurteilt, tausend neue Geschichten zu sammeln. Doch er hat immer noch mit den Geschehnissen von Band 1, seiner Büchersucht und der Tatsache zu kämpfen, dass er als Linkshänder in der Wirbelwelt diskriminiert wird. Auch Band 2 ist eine Hommage an das Schreiben und Geschichtenerzählen. Fast nebenbei greift der Autor zudem wichtige Themen, wie die industrielle Revolution und damit verbundene soziale Verwerfungen, das Erstarken rechter Parteien und die Rolle der Medien auf.
CN: Alkoholismus einer Nebenfigur, Feuer, Hunde und Angst vor ihnen, PTBS, unter Wasser sein
Platzierung im Vormonat (6)

In Amira Ben Saouds Debüt „Schweben“ verliert die Heldin Ona/Emma/Iris/Sibel/… bei ihrer „Begegnungsarbeit“ den Bezug zu sich selbst und ihrem Verständnis, was eine (gesunde) Beziehung überhaupt ist. Und wer oder was ist dieses ominöse System, das ihre abgeschottete Siedlung nach der Klimakatastrophe halbwegs am Funktionieren hält und jegliche Gewalt (tatsächlich?) eliminiert hat? „Schweben“ ist ein beklemmender Psychothriller, der die Unmöglichkeit des richtigen Ichs im falschen System aufzeigt.
CN: Alkoholkonsum, Blut, körperliche & psychische Gewalt, Mord, toxische Beziehungen, Vergewaltigung
Platzierung im Vormonat (9)

In einem alternativen 19ten Jahrhundert gibt es Gegenstände, die mit Magie behaftet sind. Einen davon besitzt Inez, eine junge Argentinierin. Ihr Vater schickte ihr einst einen Ring aus Ägypten, der ihr beim Anstecken Visionen aus Kleopatras Leben beschert. Nun ist ihr Vater tot und Inez reist selbst nach Ägypten, um den Umständen auf den Grund zu gehen. Ihr ortsansässiger Onkel möchte sie sofort Retoure schicken, doch Inez hat andere Pläne. Eine Reise entlang des Nil beginnt, voller ägyptischer Geheimnisse und einem sehr gutaussehenden jungen Briten. Diese Geschichte zieht jede*n Leser*in schnell in den Bann und entfaltet ein großartiges Abenteuer auf jeder Seite!
Platzierung im Vormonat (10)

Eine Technologie, die Heilung von Krebs verspricht, indem sie alle Körperzellen durch Naniten ersetzt, und eine KI, die mit viktorianischer Lyrik trainiert wird: Als beides zusammenkommt, entsteht eine imperialistische Armee von Supersoldatinnen, die gnadenlos die Erde unterwirft. Anton Hur erzählt in Toward Eternity in Schlaglichtern die Geschichte dieses Ringens zwischen Kunst und Macht, das in immer neuen Gestalten erscheint, und von Generation zu Generation weitererzählt wird, bis in ferner Zukunft alles zusammenläuft. Eine poetische Erzählung über das Kippen guter Absichten in unsagbare Grausamkeit und die Überwindung derselben durch die Poesie.
Platzierung im Vormonat (-)

Mit “Beneath the Ivy” schafft Christian Handel einen spannenden, dichten Roman über ein altes Hexengeschlecht, welches von der plötzlichen, tödlichen Erkrankung einer der jüngsten Mitglieder bedroht wird. Die junge Hexe Marissa will dies nicht hinnehmen und sucht verzweifelt nach einer Rettung für ihre Cousine. Der Autor nimmt die Lesenden mit in die Familiengeschichte des Hexenzirkels und nach und nach kommen Dramen ans Tageslicht, über die mit aller Macht der Mantel des Schweigens gelegt wurde. Dabei geht es um Vorurteile, die Frage danach, was mensch bereit ist zu tun, um einen Anderen zu retten und die Liebe in all ihren Facetten.
Platzierung im Vormonat (8, 09/25)

König Artus ist tot, die Tafelrunde zerschlagen und Camelot von den Sachsen bedroht. Das Zeitalter der großen Helden ist vorbei. Übrig sind nur die, die eh schon nie wirklich im Mittelpunkt standen: Trans* Personen, Menschen mit Behinderung, Narren und Romantiker. Doch genau die rückt Lev Grossman mit seinem im wahrsten Sinne epischen Roman jetzt ins Zentrum des Geschehens.
CN: Alkoholkonsum, Inzest (erwähnt), körperliche Gewalt, PTBS, sexualisierte Gewalt, Trauer, Tod
Platzierung im Vormonat (-)

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