Für das finale Autor*inneninterview des Jahres 2025 konnten wir Amira Ben Saoud gewinnen, die mit ihrem Debütroman “Schweben” in der aktuellen Bestenliste Platz vier belegt. Das Interview führte Aşkın.

Hallo Amira, beschreib dich doch bitte als Einstieg in drei Worten.
Maßlos mit Ziel.
Was sind deine aktuellen Projekte und was sind deine größten Leidenschaften?
Ich arbeite halbwegs fokussiert an meinem zweiten Roman und mache zum Ausgleich Sport. Leidenschaft ist so ein bedeutungsschwangeres Wort, das nach einer Antwort wie „Gerechtigkeit“ oder zumindest „Kunst“ oder so etwas in der Liga verlangt, aber ich fürchte, meine größte Leidenschaft besteht in einem gediegenen Nachmittagsschläfchen.

Was ist das Besondere an deinem Buch “Schweben”?
Ich glaube und hoffe, dass es seine Atmosphäre ist. Wenn Leser*innen bei der Lektüre dieses unheimliche, leicht unangenehme Gefühl verspüren, das sie auch nachdem sie das Buch zugeklappt haben, noch ein bisschen verfolgt.
Womit prokrastinierst du am liebsten?
Aufräumen.
Welches Buch (nicht von dir) sollte jede*r von uns lesen?
Unmöglich zu beantworten, weil siehe nächste Frage…

Was muss ein perfektes Buch überhaupt bieten?
Es gibt diese magischen Momente, wo man exakt zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Stimmung ein Buch liest, das einen tief berührt oder aufwühlt. So ging es mir als Jugendliche mit Kunderas „Unerträglicher Leichtigkeit…“ oder auch mit Burroughs „Naked Lunch“, als Erwachsene mit Plaths „Glasglocke“ oder Haushofers „Wand“ – ich glaube nicht, dass ich eines dieser Bücher gemocht hätte, hätte ich sie wann anders in meinem Leben gelesen. Damit ein Buch perfekt sein kann, braucht es die perfekte Person als Leser*in und den „kairos“, wie die alten Griechen den günstigen Zeitpunkt nennen.
Hattest du schon mal eine Schreib- und/oder Leseblockade? Was hat dagegen geholfen?
Eine echte Blockade, also, dass ich will, aber nicht kann, hatte ich noch nicht. Lesen will ich eigentlich immer, fürs Schreiben muss ich in der richtigen Stimmung sein. Ich habe bis jetzt die Erfahrung gemacht, dass ich diese Stimmung auch nicht erzwingen kann. Da hilft dann nur warten, bis ich wieder Lust habe.
Was sollte sich im Literaturbetrieb ändern?
IEr ist gleichzeitig elitär und bildet sich viel auf sich ein, gleichzeitig verflacht er immer mehr und orientiert sich stark an Followerzahlen und Autor*innen-Personalities. Beides sollte sich ändern, wird es aber nicht.
Wie siehst du die Zukunft in 100 Jahren?
Nicht sonderlich rosig.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!
Wo ist Amira Ben Saoud zu finden?
Am Badminton-Court und auf Instagram

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