Das sind die besten phantastischen Romane der letzten 12 Monate. Jeden ersten Freitag im Monat stellen unabhängige Literaturkritiker*innen und Phantast*innen die besten Romane des Genres vor.

Frankfurt in der nahen Zukunft: privatisiert, KI-autonom und super-smart. Die Stadt wird von einem Künstlichen Neuralen Netzwerk verwaltet, das permanent seine eigene Ethik erweitert. Oberflächlich scheint alles perfekt zu funktionieren, doch in den Schatten blüht die Kriminalität – und dann treten Fehler im System auf. Eine obdachlose Jugendliche stirbt nach dem Konsum einer digitalen Droge und die Stadt interessiert sich nicht dafür. Also machen sich eine Data Scientist, eine Kioskbesitzerin und ein Straßenjunge selbst auf die Suche nach Antworten.
Platzierung im Vormonat (-)

Die Hölle ist ein Campus. Und in genau diesen Campus steigen Alice und Peter hinab, um die Seele ihres Doktorvaters zurückzuholen. In „Katabasis“ nimmt R.F. Kuang das Genre Dark Academia wörtlich. Sie zeigt die Schattenseite der Elfenbeintürme – Sexismus, Machtungleichgewicht und die Ausbeutung junger Akademiker*innen – vor dem Hintergrund antiker und moderner Höllenerzählungen. Ein anspruchsvoller Roman, den es sich zu lesen lohnt.
CN: Alkohol- und Tabakkonsum, Body Horror, Depression, Emeto, Gewalt gegen Tiere, Gore, Panik, sexuelle Belästigung, Suizid
Platzierung im Vormonat (3, 10/25)

Lesende bekommen in Jasper Ffordes neuem Roman, der irgendwo zwischen Realsatire und Fantasy anzusiedeln ist, den Spiegel vorgehalten. Anhand der vorgeblichen Bedrohung durch vermenschlichte Kaninchen spielt er verschiedene Varianten von Rassismus und Xenophobie durch. Obwohl verfremdet, zeigen sich doch viele Parallelen zu aktuellen (und früheren) Entwicklungen überall auf der Welt. Besonders der Protagonist Peter Knox, ein Durchschnittsbürger par excellence, und seine Zerrissenheit zwischen dem Bedürfnis nach einem gewöhnlichen Leben und dem Unwohlsein mit den Entwicklungen ob des Umgangs mit den Kaninchen, wird hervorragend dargestellt.
CN: Genozid, Gore, körperliche & psychische Gewalt, Mord, Rassismus
Platzierung im Vormonat (1)

In Amira Ben Saouds Debüt „Schweben“ verliert die Heldin Ona/Emma/Iris/Sibel/… bei ihrer „Begegnungsarbeit“ den Bezug zu sich selbst und ihrem Verständnis, was eine (gesunde) Beziehung überhaupt ist. Und wer oder was ist dieses ominöse System, das ihre abgeschottete Siedlung nach der Klimakatastrophe halbwegs am Funktionieren hält und jegliche Gewalt (tatsächlich?) eliminiert hat? „Schweben“ ist ein beklemmender Psychothriller, der die Unmöglichkeit des richtigen Ichs im falschen System aufzeigt.
CN: Alkoholkonsum, Blut, körperliche & psychische Gewalt, Mord, toxische Beziehungen, Vergewaltigung
Platzierung im Vormonat (6)

Mit 15 wirkt die Hexe Sera einen verbotenen Zauber: Sie erweckt ihre Großmutter, die plötzlich im Garten zusammenbrach, wieder zum Leben. (Und versehentlich noch einen schon etwas länger begrabenen Hahn.) Die Gilde der Magier ist rigoros: Sera wird ausgeschlossen, verliert ihre Magie und darf nie wieder die Bibliothek betreten. 15 Jahre später führt sie mit ihrer Granny eine Pension, die auch immer nur sehr wunderliche Gäste anzieht. Eines Tages taucht ein Kindheitsfreund mit seiner Schwester auf und die schrullige WG schweißt sich zusammen, um Seras Magie zurückzubekommen. Cosy Fantasy mit einer unaufdringlichen Romanze, mit ganz diversen Figuren, die alle ein kleines Päckchen zu tragen haben. Bezaubernd und einfach schön!
Platzierung im Vormonat (-)

Im zweiten Band der “Galaxy of Shadows”-Reihe werden Allianzen geschmiedet und die Zeichen stehen auf Krieg. Hier stellt sich heraus, wem man trauen kann und wem nicht. Dan Adams hält hier für die Lesenden so manche Überraschung bereit und wir können noch tiefer in die vielfältig entwickelten Kulturen eintauchen. Dabei ist es so spannend, dass das Buch kaum zur Seite gelegt werden kann.
Platzierung im Vormonat (-)

Eine Technologie, die Heilung von Krebs verspricht, indem sie alle Körperzellen durch Naniten ersetzt, und eine KI, die mit viktorianischer Lyrik trainiert wird: Als beides zusammenkommt, entsteht eine imperialistische Armee von Supersoldatinnen, die gnadenlos die Erde unterwirft. Anton Hur erzählt in Toward Eternity in Schlaglichtern die Geschichte dieses Ringens zwischen Kunst und Macht, das in immer neuen Gestalten erscheint, und von Generation zu Generation weitererzählt wird, bis in ferner Zukunft alles zusammenläuft. Eine poetische Erzählung über das Kippen guter Absichten in unsagbare Grausamkeit und die Überwindung derselben durch die Poesie.
CN: Fehlgeburt, Genozid, Gewalt, Krieg, Tod eines geliebten Menschen
Platzierung im Vormonat (8)

Als junge Erwachsene kehrt Sabrina in die Kleinstadt zurück, die sie eigentlich glaubt hinter sich gelassen zu haben. Dort stellt sie sich den Schatten der Vergangenheit, die im nahegelegenen Vergnügungspark lauern. Was ihr und ihren beiden Kindheitsfreunden Juri und Lando dort widerfahren ist, wird in immer neuen Rückblenden erzählt. Die bedrückende Enge der Kleinstadt und das unaussprechliche Grauen, das vor ihren Toren lauert, verdichten sich erzählerisch bis zum Horror-Finale.
CN: Ableismus, Gewalt gegen Tiere & Kinder, Homofeindlichkeit, Krebs, Selbstverletzung, sexualisierte Gewalt, Suizidalität, Transfeindlichkeit
Platzierung im Vormonat (4)

In einem alternativen 19ten Jahrhundert gibt es Gegenstände, die mit Magie behaftet sind. Einen davon besitzt Inez, eine junge Argentinierin. Ihr Vater schickte ihr einst einen Ring aus Ägypten, der ihr beim Anstecken Visionen aus Kleopatras Leben beschert. Nun ist ihr Vater tot und Inez reist selbst nach Ägypten, um den Umständen auf den Grund zu gehen. Ihr ortsansässiger Onkel möchte sie sofort Retoure schicken, doch Inez hat andere Pläne. Eine Reise entlang des Nil beginnt, voller ägyptischer Geheimnisse und einem sehr gutaussehenden jungen Briten. Diese Geschichte zieht jede*n Leser*in schnell in den Bann und entfaltet ein großartiges Abenteuer auf jeder Seite!
Platzierung im Vormonat (7)

König Artus ist tot, die Tafelrunde zerschlagen und Camelot von den Sachsen bedroht. Das Zeitalter der großen Helden ist vorbei. Übrig sind nur die, die eh schon nie wirklich im Mittelpunkt standen: Trans* Personen, Menschen mit Behinderung, Narren und Romantiker. Doch genau die rückt Lev Grossman mit seinem im wahrsten Sinne epischen Roman jetzt ins Zentrum des Geschehens.
CN: Alkoholkonsum, Inzest (erwähnt), körperliche Gewalt, PTBS, sexualisierte Gewalt, Trauer, Tod
Platzierung im Vormonat (10)

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