Für das erste Interview des Jahres beehrt uns Brian Frank, der mit seinem Roman “Spaßpark” letzten Monat den achten Platz auf unserer Liste belegt hat. Das Interview führte Aşkın.

Hallo Brian, beschreib dich doch bitte als Einstieg in drei Worten.
Lover, Hater, Autor.
Was sind deine aktuellen Projekte und was sind deine größten Leidenschaften?
Aktuell überarbeite ich meinen altägyptisch inspirierten Fantasyroman über den Hauptmann der Palastwache und den mächtigsten Alchemisten des Landes, den er ins Exil schaffen soll, bevor dieser Auftrag aber komplett eskaliert und die beiden sich unweigerlich und destruktiv immer näherkommen.
Außerdem sitze ich auf einem fertigen apokalyptischen Hungerwinter-Thriller und überarbeite demnächst den trans Spannungsroman, der im Herbst 2026 bei Eichborn erscheint.
Neben dem Schreiben larpe ich seit vielen Jahren, zeichne und scrapbooke gern und liebe Flohmärkte.

Was ist das Besondere an deinem Buch “Spaßpark”?
Dass es ganz bewusst Horror ist in einer deutschsprachigen Literaturlandschaft, in der zwar alles Horror-Elemente haben darf, aber niemals wirklich Horror sein und heißen und wenn, dann nur übersetzt. Dass alle drei Hauptfiguren queer sind und zwei migrantisch – aber nicht austauschbar casual und absolut plotrelevant. Dass die Horror genauso in der Alltagsgewalt von Transfeindlichkeit und Xenophobie präsent sind wie als übernatürliche Monster, die einen nachts durchs Maisfeld hetzen. Dass ein heruntergekommener Tier- und Freizeitpark, der titelgebende Spaßpark, ein fabelhaftes Horrorsetting ist: schillernder Glücks- und Kindheitsort an warmen Sommertagen, düsteres Wrack im kalten Herbst der Gegenwart.
Womit prokrastinierst du am liebsten?
Bevorzugt mit Wäschewaschen, Scrapbooking oder mit „Slay the Spire“.
Welches deiner Bücher sollten wir jetzt sofort aus welchem Grund lesen?
“Spaßpark” natürlich, weil es genau die Art Horror ist, der sowohl Leute abholt, die nachts ein Licht brennen lassen müssen und Leute, die in Horror-Filmclubs sind. (Auf mich trifft nämlich beides zu.)

Und welches Buch (nicht von dir) sollte jede*r von uns lesen?
Der trans Horror-Roman, der mich literarisch und persönlich geprägt und befreit hat, ist „Manhunt“ von Gretchen Felker-Martin: In einer Apokalypse, in der alle Menschen mit zu viel Testosteron zu brutalen Monstern geworden sind, jagen unsere zwei trans Protagonistinnen verwilderte Männer, um aus ihren Hoden das Östrogen zu gewinnen, mit dem sie sich selbst vor dem gleichen Schicksal bewahren – und werden wiederum von TERFs gejagt. Ein paar Jahre vor meinem Coming-out und mitten in Spaßpark gelesen. Für beides hat dieses Buch, das sich von Anfang bis Ende weigert, sich zu schämen und zurückzuhalten und mit Robbie auch einen meiner liebsten literarischen trans Männer im Ensemble hat, viel getan.
Was muss ein perfektes Buch überhaupt bieten?
Geiler Stil, interessante, komplexe Figuren, große Emotionen, viele Stellen, an die ich Eselsohren mache und am besten ein Element, das mich beim Lesen überfordert. Das perfekte Buch muss nicht queer sein, aber ich würde lügen, wenn zumindest Interpretationsspielraum und Subtext Bonuspunkte geben.
Hattest du schon mal eine Schreib- und/oder Leseblockade? Was hat dagegen geholfen?
Komme ich beim Schreiben nicht weiter, gehe ich in die nächste Szene oder notfalls ins nächste Projekt oder mache andere Arbeiten rund ums Schreiben: überarbeiten, plotten, Pitch schreiben. Holt mich beim Lesen nichts ab, wechsle ich das Genre oder lese einen meiner Favoriten noch mal.
Was sollte sich im Literaturbetrieb ändern?
Wo anfangen? Ich wünsche mir mehr Mut für deutschsprachige literarische Stimmen und mehr Frühförderung fürs Schreiben – einer der nützlichsten Skills, die man haben kann. Als jemand, der sowohl Unterhaltung als auch Literatur schreibt und viel Mischung, wünsche ich mir da weniger oft arbiträre Grenzen und mehr Respekt, vor allem für Genreliteratur, aber auch für E-Literatur, die gern als performativ und unzugänglich abgetan wird. Ich will, dass alle ihr absolutes Passion Project schreiben. Ich will mehr Horror. Ich will keine KI-Cover mehr und keine Same-Faced-Topmodels als Charakterillustrationen. Überhaupt will ich, dass sich mehr auf gute Texte statt der ganzen Ausstattung drumherum konzentriert wird – und das sage ich als Künstler und Kunstfan und jemand, der mit unendlich viel Geld unendlich viel geile Kunst rund um meine Bücher in Auftrag geben würde.
Wie siehst du die Zukunft in 100 Jahren?
Vage positiv.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!

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