Das sind die besten phantastischen Romane der letzten 12 Monate. Jeden ersten Freitag im Monat stellen unabhängige Literaturkritiker*innen und Phantast*innen die besten Romane des Genres vor.

Die Hölle ist ein Campus. Und in genau diesen Campus steigen Alice und Peter hinab, um die Seele ihres Doktorvaters zurückzuholen. In „Katabasis“ nimmt R.F. Kuang das Genre Dark Academia wörtlich. Sie zeigt die Schattenseite der Elfenbeintürme – Sexismus, Machtungleichgewicht und die Ausbeutung junger Akademiker*innen – vor dem Hintergrund antiker und moderner Höllenerzählungen. Ein anspruchsvoller Roman, den es sich zu lesen lohnt.
CN: Alkohol- und Tabakkonsum, Body Horror, Depression, Emeto, Gewalt gegen Tiere, Gore, Panik, sexuelle Belästigung, Suizid
Platzierung im Vormonat (1)

Frankfurt in der nahen Zukunft: privatisiert, KI-autonom und super-smart. Die Stadt wird von einem Künstlichen Neuralen Netzwerk verwaltet, das permanent seine eigene Ethik erweitert. Oberflächlich scheint alles perfekt zu funktionieren, doch in den Schatten blüht die Kriminalität – und dann treten Fehler im System auf. Eine obdachlose Jugendliche stirbt nach dem Konsum einer digitalen Droge und die Stadt interessiert sich nicht dafür. Also machen sich eine Data Scientist, eine Kioskbesitzerin und ein Straßenjunge selbst auf die Suche nach Antworten.
Platzierung im Vormonat (2)

Eine Technologie, die Heilung von Krebs verspricht, indem sie alle Körperzellen durch Naniten ersetzt, und eine KI, die mit viktorianischer Lyrik trainiert wird: Als beides zusammenkommt, entsteht eine imperialistische Armee von Supersoldatinnen, die gnadenlos die Erde unterwirft. Anton Hur erzählt in Toward Eternity in Schlaglichtern die Geschichte dieses Ringens zwischen Kunst und Macht, das in immer neuen Gestalten erscheint und von Generation zu Generation weitererzählt wird, bis in ferner Zukunft alles zusammenläuft. Eine poetische Erzählung über das Kippen guter Absichten in unsagbare Grausamkeit und die Überwindung derselben durch die Poesie.
CN: Fehlgeburt, Genozid, Gewalt, Krieg, Tod eines geliebten Menschen
Platzierung im Vormonat (3)

Vier Mernschen, eine Mission: an Bord der “Merian” landen Ariadne, Elena, Jack und Chikondi auf fernen Exoplaneten, um diese zu erkunden, ohne in ihr Ökosystem einzugreifen. Über die Faszination vom Hier und Jetzt der fremden Welten, werden die 14 Jahre alten Nachrichten von der Erde zunehmend uninteressant, bis diese versiegen. Doch ohne Empfänger auf der Erde sind die Forschungsergebnisse bedeutungslos, also sendet die Crew eine letzte Frage nach Hause, ehe sie sich wartend in Stasis begibt… Chambers lotet auf wenigen Seiten viel Allzumenschliches, aber auch die Frage nach dem Sinn des forschenden Vordringens ins All aus.
Platzierung im Vormonat (7)

Mit 15 wirkt die Hexe Sera einen verbotenen Zauber: Sie erweckt ihre Großmutter, die plötzlich im Garten zusammenbrach, wieder zum Leben. (Und versehentlich noch einen schon etwas länger begrabenen Hahn.) Die Gilde der Magier ist rigoros: Sera wird ausgeschlossen, verliert ihre Magie und darf nie wieder die Bibliothek betreten. 15 Jahre später führt sie mit ihrer Granny eine Pension, die auch immer nur sehr wunderliche Gäste anzieht. Eines Tages taucht ein Kindheitsfreund mit seiner Schwester auf und die schrullige WG schweißt sich zusammen, um Seras Magie zurückzubekommen. Cosy Fantasy mit einer unaufdringlichen Romanze, mit ganz diversen Figuren, die alle ein kleines Päckchen zu tragen haben. Bezaubernd und einfach schön!
Platzierung im Vormonat (6)

„2033“ von Bijan Moini ist ein Near-Future-Roman, in der die rechtsextremistische Partei „Aufstand“ die Regierung bildet und systematisch die Demokratie samt Grundgesetz abschafft. Es ist ein erschreckendes, aber mitnichten überraschendes Zukunftsszenario, in das auch das heutige Deutschland mit wachsendem Faschismus, Polizeigewalt, fortschreitender Militarisierung und Staatsräson-Diktatur wohlmöglich hineinschlittern wird.
CN: Gewalt, Rassismus, Rechtsextremismus, Sexismus
Platzierung im Vormonat (8)

Mit dem Auftakt-Band der “Ordo Draconis”-Reihe ist Lilly Labord ein Buch mit authentischen Charakteren, vielen Geheimnissen und spannenden Wendungen gelungen. Sie entführt uns in eine Whiskybrennerei, in der so manches nicht so ist, wie es scheint. Fesselnde knapp 250 Seiten, in der nach und nach die einzelnen Puzzleteile an die richtigen Stellen fallen.
Platzierung im Vormonat (9)

Während viele Romane das politische Ränkespiel als unterliegende Dimension einer Welt haben, ist diese Dimension hier manifest. Alles dreht sich um Willensmacht und wo du im System stehst. Eine Schule, die auf ein Labyrith vorbereitet (doch es geht eigentlich um etwas ganz anders…). Was findet sich hinter den Mauern aus Schweigen? Wem vertrauen? Wer steht zur Seite um einen zu stürzen? Spannender Weltenbau und ständig öffnen sich neue Möglichkeiten und Richtungen…
Platzierung im Vormonat (-)

“Seelengrube – Der letzte Schlüssel” lässt sich schwer in ein Genre einordnen. Am ehesten ist es futuristische Science-Fantasy, aber selbst so ein weiter Rahmen zeigt zu wenig, wie groß, kreativ und divers die Welt ist, über die Marie Meier hier schreibt. Die Protagonistin Jule ist mit dem Ruf geboren, aber nicht besonders begabt darin, diese magischen Fähigkeiten zu nutzen. Wir begleiten sie zunächst in einen Kerker, wo sie sich von einem mitgefangenen Monster helfen lassen muss, ihren Ruf besser zu beherrschen, um sie beide zu befreien. Nach der Flucht will sie ihn unbedingt wiedersehen, dazu muss sie allerdings auf ihrem Heimatplaneten in der gesellschaftlichen Hierarchie aufsteigen – und das geht nur mit dem Ruf, den sie immer noch nicht gut genug beherrscht. Ab hier entfaltet sich eine vielschichtige Welt mit coolen Charakteren und voller Gesellschaftskritik. “Der letzte Schlüssel” ist zum Glück der Auftakt einer Reihe, denn diese Welt ist zu spannend, um sie nach einem Buch loszulassen..
Platzierung im Vormonat (-)

Vom Wald rings um die Wickwood Academy geht eine düstere Bedrohung aus. Nur Märchenerzähler Andrew Perrault und sein bester Freund Thomas Rye ahnen, dass diese von den Monstern herrührt, die sie mit ihren Geschichten und Zeichnungen erschaffen haben. Jede Nacht schleichen sie hinaus, um sie zu töten – doch ist nicht das Leben eines Monsters an das seines Schöpfers gebunden …? Poetischer Botanical Horror, hinter dem sich Selbsthass, toxische Liebe und eine schreckliche Schuld verbergen.
CN: Blut, Bodyhorror, Essstörung, Gewalt, Gore, Homofeindlichkeit, Mobbing, Tod
Platzierung im Vormonat (5)

Schreibe einen Kommentar