Das sind die besten phantastischen Romane der letzten 12 Monate. Jeden ersten Freitag im Monat stellen unabhängige Literaturkritiker*innen und Phantast*innen die besten Romane des Genres vor.

Vier Mernschen, eine Mission: an Bord der “Merian” landen Ariadne, Elena, Jack und Chikondi auf fernen Exoplaneten, um diese zu erkunden, ohne in ihr Ökosystem einzugreifen. Über die Faszination vom Hier und Jetzt der fremden Welten werden die 14 Jahre alten Nachrichten von der Erde zunehmend uninteressant, bis diese versiegen. Doch ohne Empfänger auf der Erde sind die Forschungsergebnisse bedeutungslos, also sendet die Crew eine letzte Frage nach Hause, ehe sie sich wartend in Stasis begibt… Chambers lotet auf wenigen Seiten viel Allzumenschliches, aber auch die Frage nach dem Sinn des forschenden Vordringens ins All aus.
Platzierung im Vormonat (4)

“Seelengrube – Der letzte Schlüssel” lässt sich schwer in ein Genre einordnen. Am ehesten ist es futuristische Science-Fantasy, aber selbst so ein weiter Rahmen zeigt zu wenig, wie groß, kreativ und divers die Welt ist, über die Marie Meier hier schreibt. Die Protagonistin Jule ist mit dem “Ruf” geboren, aber nicht besonders begabt darin, diese magischen Fähigkeiten zu nutzen. Wir begleiten sie zunächst in einen Kerker, wo sie sich von einem mitgefangenen Monster helfen lassen muss, ihren “Ruf” besser zu beherrschen, um sie beide zu befreien. Nach der Flucht will sie ihn unbedingt wiedersehen, dazu muss sie allerdings auf ihrem Heimatplaneten in der gesellschaftlichen Hierarchie aufsteigen ‒ und das geht nur mit dem “Ruf”, den sie immer noch nicht gut genug beherrscht. Ab hier entfaltet sich eine vielschichtige Welt mit coolen Charakteren und voller Gesellschaftskritik. “Der letzte Schlüssel” ist zum Glück der Auftakt einer Reihe, denn diese Welt ist zu spannend, um sie nach einem Buch loszulassen.
Platzierung im Vormonat (9)

Eine Technologie, die Heilung von Krebs verspricht, indem sie alle Körperzellen durch Naniten ersetzt, und eine KI, die mit viktorianischer Lyrik trainiert wird: Als beides zusammenkommt, entsteht eine imperialistische Armee von Supersoldatinnen, die gnadenlos die Erde unterwirft. Anton Hur erzählt in Toward Eternity in Schlaglichtern die Geschichte dieses Ringens zwischen Kunst und Macht, das in immer neuen Gestalten erscheint und von Generation zu Generation weitererzählt wird, bis in ferner Zukunft alles zusammenläuft. Eine poetische Erzählung über das Kippen guter Absichten in unsagbare Grausamkeit und die Überwindung derselben durch die Poesie.
CN: Fehlgeburt, Genozid, Gewalt, Krieg, Tod eines geliebten Menschen
Platzierung im Vormonat (3)

Die Hölle ist ein Campus. Und in genau diesen Campus steigen Alice und Peter hinab, um die Seele ihres Doktorvaters zurückzuholen. In “Katabasis” nimmt R.F. Kuang das Genre Dark Academia wörtlich. Sie zeigt die Schattenseite der Elfenbeintürme – Sexismus, Machtungleichgewicht und die Ausbeutung junger Akademiker*innen – vor dem Hintergrund antiker und moderner Höllenerzählungen. Ein anspruchsvoller Roman, den es sich zu lesen lohnt.
CN: Alkohol- und Tabakkonsum, Body Horror, Depression, Emeto, Gewalt gegen Tiere, Gore, Panik, sexuelle Belästigung, Suizid
Platzierung im Vormonat (1)

Eine alternative britische Gesellschaft ungefähr um 1920: Die Bewohner des Landes sind in drei Klassen unterteilt. Drachen sind auch Teil dieser Gesellschaft, mit Regeln und Rechten. Jedoch leben sie lieber zurückgezogen. Vivien hat noch nie einen zu Gesicht bekommen, studiert jedoch, seit sie denken kann, ihre verschiedenen Sprachen. Als ein Bürgerkrieg zu drohen scheint, wird sie von der Regierung rekrutiert, um in einer geheimen Militärbasis eine geheime Drachensprache zu entschlüsseln, was der Regierung helfen soll, im Notfall besser gegen aufständische Drachen kämpfen zu können. Vivien ist eine Regelbefolgerin, doch bei ihrer Recherche stößt sie immer mehr auf seltsame Dinge und mithilfe anderer Rekruten beginnt sie langsam zu hinterfragen, ob sie auf der richtigen Seite steht. Durchweg spannend zeichnet die Autorin hier eine Welt, die Sprache eine große Bedeutung beimisst und noch dazu sehr gut in unsere aktuelle Zeit der fake News und rechtsrückender Regierungen passt. Mit Drachen!
Platzierung im Vormonat (-)

Die Trennung ihrer Eltern stürzt die koreanisch-amerikanische Collegestudentin Ji-Won ins Chaos. Der neue, ekelhafte, weiße Freund ihrer Mutter macht alles noch schlimmer. Immer öfter wird Ji-Won von Alpträumen und Kopfschmerzen geplagt. Und von einem Hunger auf menschliche Augen. Monika Kim legt mit ihrem Debüt einen lesenswerten Eye-Horor-Roman voller Gesellschaftskritik und Female Rage vor.
CN: Body Horror, Eye Horror, Fetischisierung von asiatischen Frauen, Gewalt, Kannibalismus, Krieg (erwähnt), Mord, Sexismus, Stalking, Trauma (erwähnt)
Platzierung im Vormonat (-)

“2033” von Bijan Moini ist ein Near-Future-Roman, in der die rechtsextremistische Partei “Aufstand” die Regierung bildet und systematisch die Demokratie samt Grundgesetz abschafft. Es ist ein erschreckendes, aber mitnichten überraschendes Zukunftsszenario, in das auch das heutige Deutschland mit wachsendem Faschismus, Polizeigewalt, fortschreitender Militarisierung und Staatsräson-Diktatur womöglich hineinschlittern wird.
CN: Gewalt, Rassismus, Rechtsextremismus, Sexismus
Platzierung im Vormonat (6)

Während viele Romane das politische Ränkespiel als unterliegende Dimension einer Welt haben, ist diese Dimension hier manifest. Alles dreht sich um Willensmacht und wo du im System stehst. Eine Schule, die auf ein Labyrith vorbereitet (doch es geht eigentlich um etwas ganz anders…). Was findet sich hinter den Mauern aus Schweigen? Wem vertrauen? Wer steht zur Seite um einen zu stürzen? Spannender Weltenbau und ständig öffnen sich neue Möglichkeiten und Richtungen…
Platzierung im Vormonat (8)

Der zweite Teil der Romanreihe ist in vielerlei Richtung spannend. Der Protagonist muss nicht nur mit List und Tücke um sein Überleben kämpfen, sondern wird durch seinen Gang durchs Portal mit seinen Ichs in zwei weitere Welten katapultiert. In drei Welten muss er sich auf verschiedene Weise durchschlagen und sehr unterschiedliche Herausforderungen meistern … Leseempfehlung.
Platzierung im Vormonat (-)

Stefan Cernohuby lässt seine Charaktere durch viele skurrile Eigenschaften auf eine einzigartige Art auffallen. Allein ihre (Un)Todesarten sind so seltsam und urkomisch, dass die verschiedenen Wesen und Personen noch lange im Gedächtnis haften bleiben. Dabei spart er nicht mit Anspielungen aus Film und Musik der 80er! Gerade diese Anspielungen, die verbalen Ausrutscher des Terminus, der eigentlich steirisch spricht, wenn er sich nicht bemüht oder sein Universalübersetzter defekt ist, machen die überaus amüsante Atmosphäre des Romans aus.
Platzierung im Vormonat (-)

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