Für das Interview im März beehrt uns Lilly Labord, die mit ihrem Roman “Ordo Draconis (Band I): Erwachen” letzten Monat den siebten Platz auf unserer Liste belegt hat. Das Interview führte Aşkın.

Hallo Lilly, beschreib dich doch bitte als Einstieg in drei Worten.
Buch-affin, neugierig, ablenkbar.
Was sind deine aktuellen Projekte und was sind deine größten Leidenschaften?
Fangen wir doch mit der Leidenschaft an: Tatsächlich ist es das Schreiben – das lässt mich seit fast vierzig Jahren nicht los und ich habe sowohl geschrieben, als ich Vollzeit gearbeitet habe, als auch während der Pflege meiner Mutter und nun als Vollzeitautorin. Wenn es etwas anderes als Schreiben sein soll, das ich nenne, so ist es, Wissen aufzusaugen, sei es banal, wissenschaftlich, wichtig oder bizarr.
Mein aktuelles Projekt ist die Entwicklung einer Krimi-Reihe mit paranormalen Ermittlern. Der erste Band, die Gummienten-Morde („Ein Zombie ermittelt“), ist bereits erschienen, um zu sehen, wie Krimis mit Agatha-Christie-Feeling paranormal werden können. Ermittler sind die verschiedensten Wesen, meist mit einem menschlichen Partner. Da trifft ein schwuler Londoner Werwolf auf eine Privatdetektivin oder ein bayrischer Landvermesser auf eine Holde. Jeder Band ist in sich abgeschlossen, jeder erkundet eine Kultur rund ums Paranormale, der Ton ist Urban Fantasy. Das als Reihe zu planen, ist ziemlich unterhaltsam und wie immer fallen die Bücher dunkler aus als sie zunächst erscheinen. Meine Mittäterin in der Schattenwelt, Kay Noa, wird mit eigenen Bänden zu der Reihe beitragen.

Was ist das Besondere an deinem Buch “Ordo Draconis – Erwachen”?
Zum einen die Kombination von Drache und Urban Fantasy. Wir verbinden Drachen ja eher mit High Fantasy und inzwischen auch mit Romantasy. Aber in Ordo Draconis stößt die Protagonistin auf einen Drachen, während sie in einer Whiskey-Destillerie in Irland eine Ausbildung absolviert.
Zum anderen ist die Serie ein Gemeinschaftswerk von einem Autor und drei Autorinnen, die sich nach einem gemütlichen Plausch im Café zusammengetan haben, um dieses Projekt tatsächlich umzusetzen: Jeder hat ein Setting (Irland, Schottland, Wales und Cornwall), jeder einen Drachen. Und zusammengehalten wird das vom Ordo Draconis, einer Vereinigung, die zu Zeiten Merlins gegründet wurde, um über die vier letzten Drachen zu wachen, die sich damals schlafen legten. Nun erwachen sie, denn die Welt hat sich dramatisch gewandelt. Sie werden gebraucht. Doch die vier Ordenszweige sind über die vielen Jahrhunderte nicht mehr das, was sie einst waren. Teils wissen sie nicht einmal mehr, was in ihren Gewölben schlummert – beziehungsweise wer.
Verantwortlich für die Reihe zeichnen in der Reihenfolge des Erscheinens ihrer Bände zunächst ich, dann Charlotte McGregor (die eine Hälfte von C.C. Ravenmiller), C. A. Raabe (die andere Hälfte des Pseudonyms C.C. Ravenmiller) und schließlich Kay Noa.
Womit prokrastinierst du am liebsten?
Ich habe ein schönes Harry-Potter Match-3-Spiel. 🙂 Aber Internetrecherche und Katzen helfen da auch, vom Schreiben abzulenken. Lesen zähle ich nicht als Prokrastination.

Welches deiner Bücher sollten wir jetzt sofort aus welchem Grund lesen?
Sofort? Ich hoffe doch, in ein oder zwei Stunden reicht auch noch. Dann würde ich „Das magische Kompendium der Anastasia Bane“ nennen. Warum? Weil die Geschichte sowohl den Bogen zu meiner bekanntesten Serie schlägt („Zum Kaffee bei Mr. Dalton“), als auch gesellschaftliche Themen und moralische Dilemmata in einen Urban Fantasy einbettet, der 1889 in London spielt. Magisch, atmosphärisch und urban.
Und welches Buch (nicht von dir) sollte jede*r von uns lesen?
Ganz herausfordernde Frage. Jede Person soll lesen, was sie entweder umkrempelt oder Eskapismus pur erlaubt. Wenn ich an mich persönlich denke, war tatsächlich „Der Herr der Ringe“ eine Offenbarung (da war ich 14), aber was mich wirklich extrem geprägt hat, war “Enemy Mine” von Longyear, nicht mal ein Roman, sondern „nur“ eine Geschichte, die nachwirkt und die ich daher jetzt als Antwort wähle.
Was muss ein perfektes Buch überhaupt bieten?
Unterhaltung. Andernfalls ist es ein Pamphlet.
Hattest du schon mal eine Schreib- und/oder Leseblockade? Was hat dagegen geholfen?
Früher hatte ich das ab und zu. Aber dann habe ich die Geschichte vom Maurer mit Maurerhemmung in Stephen Frys „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ gelesen. Seitdem verzichte ich einfach darauf. Klingt das merkwürdig? Ist es nicht.
Was sollte sich im Literaturbetrieb ändern?
Am Ende des Tages sollten wir immer daran denken, was Erzählen ist: eine der ältesten Kulturfertigkeiten, dazu entwickelt, das Leben erträglich zu machen, zu unterhalten, Handlungsoptionen zu beleuchten und abends in zugigen Höhlen vom stechenden Geruch angesengter Bisonhaare abzulenken. Wem irgendetwas davon gelingt, soll seinen*ihren Weg gehen dürfen.
Wie siehst du die Zukunft in 100 Jahren?
Oh, an manchen Orten im Universum könnte es in 100 Jahren richtig schön sein. Bei uns nur, wenn wir auf den letzten Metern noch Menschenliebe, Naturverbundenheit und Freundlichkeit lernen – und andere gelten zu lassen. Da bin ich ein klein wenig skeptisch.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!

Sabrina meint
Ich liebe Lilli Labord Bücher und Reihen ! Danke Askin für das tolle Interview mit Lilly Labord