Das sind die besten phantastischen Romane der letzten 12 Monate. Jeden ersten Freitag im Monat stellen unabhängige Literaturkritiker*innen und Phantast*innen die besten Romane des Genres vor.

Frankfurt in der nahen Zukunft: privatisiert, KI-autonom und super-smart. Die Stadt wird von einem Künstlichen Neuralen Netzwerk verwaltet, das permanent seine eigene Ethik erweitert. Oberflächlich scheint alles perfekt zu funktionieren, doch in den Schatten blüht die Kriminalität – und dann treten Fehler im System auf. Eine obdachlose Jugendliche stirbt nach dem Konsum einer digitalen Droge und die Stadt interessiert sich nicht dafür. Also machen sich eine Data Scientist, eine Kioskbesitzerin und ein Straßenjunge selbst auf die Suche nach Antworten.
Platzierung im Vormonat (2, 02/26)

“Seelengrube – Der letzte Schlüssel” lässt sich schwer in ein Genre einordnen. Am ehesten ist es futuristische Science-Fantasy, aber selbst so ein weiter Rahmen zeigt zu wenig, wie groß, kreativ und divers die Welt ist, über die Marie Meier hier schreibt. Die Protagonistin Jule ist mit dem “Ruf” geboren, aber nicht besonders begabt darin, diese magischen Fähigkeiten zu nutzen. Wir begleiten sie zunächst in einen Kerker, wo sie sich von einem mitgefangenen Monster helfen lassen muss, ihren “Ruf” besser zu beherrschen, um sie beide zu befreien. Nach der Flucht will sie ihn unbedingt wiedersehen, dazu muss sie allerdings auf ihrem Heimatplaneten in der gesellschaftlichen Hierarchie aufsteigen ‒ und das geht nur mit dem “Ruf”, den sie immer noch nicht gut genug beherrscht. Ab hier entfaltet sich eine vielschichtige Welt mit coolen Charakteren und voller Gesellschaftskritik. “Der letzte Schlüssel” ist zum Glück der Auftakt einer Reihe, denn diese Welt ist zu spannend, um sie nach einem Buch loszulassen.
Platzierung im Vormonat (2)

Die Hölle ist ein Campus. Und in genau diesen Campus steigen Alice und Peter hinab, um die Seele ihres Doktorvaters zurückzuholen. In “Katabasis” nimmt R.F. Kuang das Genre Dark Academia wörtlich. Sie zeigt die Schattenseite der Elfenbeintürme – Sexismus, Machtungleichgewicht und die Ausbeutung junger Akademiker*innen – vor dem Hintergrund antiker und moderner Höllenerzählungen. Ein anspruchsvoller Roman, den es sich zu lesen lohnt.
CN: Alkohol- und Tabakkonsum, Body Horror, Depression, Emeto, Gewalt gegen Tiere, Gore, Panik, sexuelle Belästigung, Suizid
Platzierung im Vormonat (4)

Vier Mernschen, eine Mission: an Bord der “Merian” landen Ariadne, Elena, Jack und Chikondi auf fernen Exoplaneten, um diese zu erkunden, ohne in ihr Ökosystem einzugreifen. Über die Faszination vom Hier und Jetzt der fremden Welten werden die 14 Jahre alten Nachrichten von der Erde zunehmend uninteressant, bis diese versiegen. Doch ohne Empfänger auf der Erde sind die Forschungsergebnisse bedeutungslos, also sendet die Crew eine letzte Frage nach Hause, ehe sie sich wartend in Stasis begibt… Chambers lotet auf wenigen Seiten viel Allzumenschliches, aber auch die Frage nach dem Sinn des forschenden Vordringens ins All aus.
Platzierung im Vormonat (1)

In Korasi ist König Jeris Vergangenheit. Die Seuche, die er über das Land gebracht hat, aber noch lange nicht. Die Menschen stehen vor einer Entscheidung: Nutzen sie die wenigen Eschensamen, die ihnen zur Verfügung stehen, um sich zu heilen oder pflanzen sie sie, damit die nächste Generation von der Seuche verschont bleibt? In diesem Sequel zu „Die letzten Eschen“ packt Barbara Tapasco geschickt Fragen zu Nachhaltigkeit, Generationengerechtigkeit und Medizinethik in eine Welt, die man beim Lesen gar nicht mehr verlassen will.
CN: Alkoholkonsum, Feuer, Folter (angedeutet), Emeto, Gore, körperliche Gewalt, Suizid (erwähnt), Tod, Trauer.
Platzierung im Vormonat (-)

Der zweite Teil der Romanreihe ist in vielerlei Richtung spannend. Der Protagonist muss nicht nur mit List und Tücke um sein Überleben kämpfen, sondern wird durch seinen Gang durchs Portal mit seinen Ichs in zwei weitere Welten katapultiert. In drei Welten muss er sich auf verschiedene Weise durchschlagen und sehr unterschiedliche Herausforderungen meistern … Leseempfehlung.
Platzierung im Vormonat (9)

Stefan Cernohuby lässt seine Charaktere durch viele skurrile Eigenschaften auf eine einzigartige Art auffallen. Allein ihre (Un)Todesarten sind so seltsam und urkomisch, dass die verschiedenen Wesen und Personen noch lange im Gedächtnis haften bleiben. Dabei spart er nicht mit Anspielungen aus Film und Musik der 80er! Gerade diese Anspielungen, die verbalen Ausrutscher des Terminus, der eigentlich steirisch spricht, wenn er sich nicht bemüht oder sein Universalübersetzter defekt ist, machen die überaus amüsante Atmosphäre des Romans aus.
Platzierung im Vormonat (10)

Auf einer abgelegenen Minenstation wird ein Crewmitglied ermordet – und der Täter kann nur jemand aus der Besatzung sein. Ermittlerin Hester Marley beginnt mit ihrem Kollegen zu ermitteln, doch niemand will etwas gesehen haben. Auch die Stations-KI weiß nichts, denn die relevanten Daten wurden gelöscht. Für Marley ist der Fall besonders heikel, denn sie kannte das Opfer. Nach und nach stoßen sie auf eine größere Verschwörung.
Platzierung im Vormonat (-)

Die Bestie von Gévaudan ist eine französische Legende, die schon oft erzählt und verfilmt wurde. In diesem Roman begleiten wir den Hexer Sebastian in zwei Zeitebenen und er schildert uns seine Erlebnisse bei der Jagd auf die Bestie. Die Geschichte ist üppig geschrieben unglaublich fesselnd, aber hinzu kommt der ständige innere Dialog, denn Sebastian ist ganz casually von einem Dämon besessen, der ihm ab und zu mal unter die Arme greift. Dazu kommt noch seine Haushaltshilfe, die eigentlich ein Sukubbus ist und ständig alle männlich gelesenen Figuren verschlingen will. Eine blutige Tragödie, mit sehr vielen komödiantischen Elementen und gay-love. Auch die Prosa des Autors macht es einem als Lesende sehr leicht, ganz nah bei den Figuren dabei zu sein. Ein absolutes Lese-Fest!
CN: Blut, Beschreibung von Mord und Totschlag, gewaltsamer Tod eines Pferdes
Platzierung im Vormonat (-)

Eine alternative britische Gesellschaft ungefähr um 1920: Die Bewohner des Landes sind in drei Klassen unterteilt. Drachen sind auch Teil dieser Gesellschaft, mit Regeln und Rechten. Jedoch leben sie lieber zurückgezogen. Vivien hat noch nie einen zu Gesicht bekommen, studiert jedoch, seit sie denken kann, ihre verschiedenen Sprachen. Als ein Bürgerkrieg zu drohen scheint, wird sie von der Regierung rekrutiert, um in einer geheimen Militärbasis eine geheime Drachensprache zu entschlüsseln, was der Regierung helfen soll, im Notfall besser gegen aufständische Drachen kämpfen zu können. Vivien ist eine Regelbefolgerin, doch bei ihrer Recherche stößt sie immer mehr auf seltsame Dinge und mithilfe anderer Rekruten beginnt sie langsam zu hinterfragen, ob sie auf der richtigen Seite steht. Durchweg spannend zeichnet die Autorin hier eine Welt, die Sprache eine große Bedeutung beimisst und noch dazu sehr gut in unsere aktuelle Zeit der fake News und rechtsrückender Regierungen passt. Mit Drachen!
Platzierung im Vormonat (5)

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